Mittwoch, 27. August 2014

26. August: Russland, ich komme!

Jetzt oder nie! Ich habe drei Zusagen für Couchsurfing erhalten. So ist mal meine Unterkunft gesichert und ich bekomme aus erster Hand Informationen zur Stadt.

Zuerst aber immer noch die Ungewissheit: komme ich überhaupt über den Zoll?

Russische Grenze: absteigen, Zettel nehmen, weiterfahren, Zettel ausfüllen, Pass in Ordnung, Waren zu verzollen?, Zettel ausfüllen (in Deutsch!), alles auspacken und zeigen. Fertig! Ich bin in Russland! War doch gar nicht so schwer.

Die Strasse ist auch prächtig. Und davor warnen alle?

Vor Nikel wird die Strasse dann doch schlechter. Ich beschliesse ins Dorf reinzufahren. Dorf ist etwas untertrieben, stelle ich für mich fest. Viele heruntergekommene Plattenbauten säumen die Hauptstrasse wie in einer Westernstadt. Dann kommt das zum Vorschein wovon die Stadt lebt, wieso sie überhaupt existiert: Nickelabbau. Ein riesiges Industrieareal liegt unterhalb der Strasse. Überall ist die Erde umgewühlt worden. Es raucht überall aus unzähligen Schlotten. Alles ist sehr dreckig. Richtiger Bergbau. Der Ort ist so immens hässlich, dass er schon fast wieder schön ist. Neben dem Visuellen kommt auch noch der Geschmack hinzu der mich noch viele Kilometer begleitet.

Irgendwann ist dann von diesem Eingriff in die Natur nichts mehr zu sehen und die Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Wilder, ursprünglicher, unberührter als in Schweden, Finnland und vorallem Norwegen. Es ist teils fast unbeschreiblich schön. Ich bin froh, bin ich das Wagnis eingegangen.

Neben der tollen Natur taucht auch immer wiedermal eine verlotterte Militärkaserne auf. Diese sind nicht etwa verlassen, sondern voll besetzt. Ich kann nur erahnen was für Zustände da drin herrschen. Schweizer Militär ist sicher ein Luxushotel dagegen...

Und irgendwann liegt sie dann vor mir - die Kola Bay, mit den beiden nahe beieinander liegenden Städten Kola und MURMANSK! Das ist mein eigentliches Ziel der Reise gewesen. Und jetzt liegt sie vor mir, am gegenüberliegenden Ufer. Sie ist riesig! Mehr als 300000 Einwohner. Und da soll ich jetzt hinein?!

Zum Glück habe ich eine Adresse wo ich hin kann. Sonst hätte ich wohl wieder kehrt gemacht. Olga wird mir für eine Nacht eine Unterkunft bieten. Couchsurfing sei dank.

Doch erst muss ich mal dahin kommen... Mein GPS kennt nur Murmansk als Stadt, aber keine Strassen. Zum Glück habe ich mir doch noch ein Smartphone gekauft. Die Navigation führt mich auf direktem Weg mitten in den Moloch. Zuerst gehts durch ein Industriegebiet. Viele Marktstände, Chaos, Autos, Hafenverkehr. Einfach der absolute Wahnsinn. Dann geht es rechts weg im die Stadt rein. Verkehr von allen Seiten. Nach welchen Verkehrsregeln die hier fahren? Keine Ahnung. Und ich hab nicht mal eine Versicherung für Russland...

Ohne grosse Probleme erreiche ich dann die besagte Adresse. Doch wo ist da ein Eingang? Ich erkenne nichts. Ich schreibe Olga nochmals ein SMS, ob ich da wirklich richtig bin. Ja, sie komme runter. Jetzt begreife ich auch die Zahlentastatur an der Eingangstür. Das ist die Klingel. Man gibt die Wohnungsnummer ein. Andere Länder, andere Sitten.

Das Treppenhaus lässt schlimmes erahnen. Dunkel und ein Mief von Feuchtigkeit. Olgas Wohnung ist dann aber sehr schön. Klein, aber gepflegt. Ich bekomme sogar direkt etwas zu Essen. Teigwaren, Fleisch und Pilze. Vor zwei Tagen gepflückt. Wunderbar.

Olga ist Lehrerin für Kunst und Zeichnen. Sie hat auch schon ein Stadtbesichtigung zusammen mit einer Freundin von ihr, welche Englischlehrerin ist, organisiert.

Wir fahren mit dem Stadtbus durch die halbe Stadt, bis wir ganz oben angelangt sind. Der Bus kostet übrigens 19 Rubel, etwa 50 Rappen.

Von Oben laufen wir nach unten. Vorbei an unzähligen Denkmälern, einer Kirche, durch einen sehr schönen Park, zum alles übertrohnenden Denkmal "Aluscha". Ein 34 Meter hohes Ungetüm aus Beton. Er schaut nach Westen, gegen Norwegen und soll vor dem Feind (Hitler) warnen. Von da oben hat man auch eine tolle Aussicht auf die Stadt. Die hat schon was. Ich bin ja bekanntlich nicht so der Stadtfreak, aber dieses hässliche, industrielle Hafenareal, übertrohnt von der zwar jungen, aber doch geschichtsträchtigen Stadt hat einfach etwas faszinierendes. Und dann liegt auch irgendwie noch ein Hauch Sovietunion über dem Ganzen.

Von der U-Boot Flotte ist natürlich nichts zu sehen. Diese ist weit nördlich gelegen und streng geheim. Dafür liegen zwei Atomeisbrecher im Hafen.

Inzwischen ist Svetlanas Sohn und ein Kollege von ihm dazugestossen. Es geht mit dem Auto weiter. Jetzt erlebe ich sogar noch den Russischen Verkehrswahnsinn aus einem Lada. Ein Erlebnis für sich...

Den Abend verbringen wir zuhause bei Olga. Ich erfahre viel über Murmansk, Russland und es wird ein lustiger Abend. Hätte ich soviel in so kurzer Zeit gesehen wenn ich ins beste Hotel der Stadt, dem Arktika, eingezogen wäre? Wohl kaum!




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